„Felicité-Marie“ Hilfe

für Kinder in Rwanda

Am Ende des Genozides in Rwanda entstand 1994 das Projekt „Felicité-Marie“, dass seitdem vielen Kindern ermöglicht hat, in Geborgenheit und unter einfühlsamer Betreuung sich zu entwickeln. Das Projekt war und ist der Versuch, den unbeschreiblichen Grausamkeiten des Krieges menschliche Liebe entgegen zu setzen und für ein Stück Heilung zu sorgen.

Offizielle Anerkennung von Mwene Muntu

Nachdem viele Jahre „Felicité-Marie“ an die staatliche Caritas gekoppelt war, haben nun die Betreuerinnen und die älteren Jugendlichen des Projektes einen eigenen Verein gegründet: MWENE MUNTU – auf deutsch: Menschenkind.

Dieser Verein wurde in diesem Sommer von der Stadt Butare offiziell anerkannt. Er zählt 15 aktive Mitglieder und möchte den Friedensgedanken in verschiedensten Projekten verwirklichen. „Felicité-Marie“ ist nun ein Projekt in diesem Verein.

Ausbildungsfond „Felicité-Marie“

Zur Zeit wird 68 Kindern (meist mehrfach traumatisierte Kriegs- und/oder Aidswaisen) eine Ausbildungsbeihilfe gewährt. Der Großteil besucht eine weiterführende Schule (ècole secondaire), in der sie zu Krankenschwestern und -pflegern, BuchhalterInnen, AgronomInnen und anderen Berufen ausgebildet werden. Mit der Ausbildungshilfe werden Schulgeld, Internatskosten, Schulmaterial, Kleidung und Fahrtkosten bezahlt.

Die Resultate der Kinder und Jugendlichen sind in diesem Jahr durchschnittlich gut. 6 Jugendliche konnten das staatliche Abschlussdiplom erhalten. Sie sind jetzt gefordert, ihren eigenen Weg zu gehen, beteiligen sich aber meist weiterhin am Projekt, in dem sie jüngere Kinder mitbetreuen.

Jede Schülerin/ jeder Schüler wird vom Betreuungsteam mindestens einmal im Trimester besucht. Dann werden mit den FreundInnen und LehrerInnen gemeinsam die anstehenden Fragen ausführlich besprochen.

Gesundheit

Die von „Felicité-Marie“ betreuten Kinder und Jugendlichen sind in guter körperlicher Verfassung. Ein Kind musste aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung die Schule verlassen.

Auffällig ist, dass bei vielen SchülerInnen immer im April (Monat, in dem der Genozid 1994 ausbrach) die Kriegstraumata aufbrechen und infolge dessen starke psychischen Probleme auftreten. In diesem Jahr spielte die Vergangenheitsbewältigung eine besonders große Rolle, da es viele staatliche Feierlichkeiten anlässlich des 10. Gedenktages des Genozides gab. Einige Jugendliche konnten aufgrund ihrer seelischen Probleme mehrere Wochen nicht die Schule besuchen. Nach intensiver Betreuung durch das Team und viel täglicher Zuwendung der anderen Jugendlichen im Projekt, konnten alle wieder in die Schule zurückkehren.

Nachsorge in der Familie

In den Ferien sind die Kinder und Jugendlichen in sogenannten Gastfamilien untergebracht.

1 – 2 mal im Jahr wird die Familie vom Betreuungspersonal besucht. Neben den normalen Erziehungsfragen spielen auch hier der Umgang mit den Kriegstraumata die größte Rolle. Einer Familie wurde 2004 ein Lehmhaus gebaut.

Arbeitscamp

Alle Kinder und Jugendlichen , die von „Felicité-Marie“ gefördert werden, sind jährlich zu einem Arbeitscamp eingeladen. In diesem Sommer waren es 45 Kinder und Jugendliche. Sie bauten ein Lehmhaus von 10 x 8 m für ein Waisengeschwisterpaar, dass damit ein neues Zuhause fand.

Parallel zu den Arbeitseinsätzen gibt es eine Konferenz mit verschiedenen Diskussionsrunden. Die Themen in diesem Jahr waren

  • Staatliche Einheit, Integration der verschiedenen Bevölkerungsgruppen
  • Die Rolle der Jugend in Rwanda
  • Verminderung der Armut
  • Weiterentwicklung des Projekts „Felicité-Marie“

Das Arbeitscamp ist ein wichtiger emotionaler Faktor in der Gesamtarbeit, da hier das Zusammengehörigkeitsgefühl aller Jugendlichen, die das Jahr über sehr verstreut leben (z.T. 150 Kilometer auseinander) gestärkt wird.

Das Arbeitscamp wurde von den örtlichen Behörden und Organisationen zur Überwindung des Genozides besucht, sehr gelobt und auch finanziell gefördert.

Perspektiven bis 2008

Das Projekt soll bis Ende 2008 in der oben beschriebenen Form weitergeführt werden. Dann haben ca. 90% der Kinder und Jugendlichen die Schule abgeschlossen. Für die restlichen Kinder wird eine Versorgung sichergestellt werden.

Partnerschaft FÖLT e.V. und „Felicité-Marie“

Innerhalb von FÖLT e.V. wird es ebenfalls bis Ende 2008 eine Arbeitsgruppe geben, die sich – wie die letzten 10 Jahre – um ein partnerschaftliches Miteinander mit dem rwandischen Projekt bemüht. Eigenverantwortlichkeit in Rwanda, Hilfe zur Selbsthilfe, offene und vertrauensvolle Kommunikation, sowie der direkte Transfer der Spendengelder werden auch in Zukunft die Grundlagen der Arbeit sein. Der Finanzbedarf wird in den nächsten Jahren bei ungefähr 16.000,- € im Jahr liegen.

Im Jahr 2004 sind 13.500,- € von FÖLT e.V. an „Felicitè-Marie“ überwiesen worden.

Dank des sehr guten Wirtschaftens des rwandesischen Teams und des sehr guten Eurokurse im Vergleich zum rwandesischen Francs sind wir 2004 mit diesem Geld über die Runden gekommen.

2005 möchten wir allerdings unsere Aktivitäten verstärken, um die dringend benötigten 16.000,- € pro Jahr zu erreichen. Wir freuen uns auf alle Menschen, die diesen Weg mit uns gehen.

Besuch des Projektes

Stephan Pucher und Susanne Nötscher besuchten mit ihren Kindern im April 2004 das Projekt in Rwanda. In intensiven Gesprächen mit dem Betreuungsteam und den Jugendlichen wurden Informationen ausgetauscht, Zukunftsperspektiven diskutiert und viel miteinander erlebt. Auch dieser Besuch stärkte wieder auf beiden Seiten die Motivation zur Zusammenarbeit.

Für Mai 2005 ist ein weiterer Besuch von FÖLT e.V. in Rwanda geplant. Außerdem diskutieren wir, eine Gruppenreise für alle Interessierten im Jahr 2006/2007 nach Rwanda zu organisieren (Kontakt: Stephan Pucher, Tel. 06221/475904).

Vielen Dank allen Menschen, die mithelfen, dass das Projekt „Felicité-Marie“ wächst und gedeiht.

Kigali/Rwanda im November 2004

Aimable Butera Celestin Kabagamba

Heidelberg/Ettenheim im Dezember 2004

Stephan Pucher Heike Korus