Fahrräder für Ruanda

2012 ist der letzte Container mit Fahrrädern nach Ruanda gegangen. Der Anteil der Kosten, den FÖLT trägt, wurde in diesem Jahr vom Berufsorientierungsfonds unseres Waisenprojektes (umwana w‘umunhu) übernommen. In den Jahren zuvor kamen die Mittel von der Stadt Heidelberg.

Die jungen Erwachsenen dieses Projektes, von denen wir Ihnen in den vergangenen Jahren so viel erzählt haben, sind nun dabei, die Fahrradwerkstatt für die Zukunft so fit zu machen, dass sie auch ohne die Unterstützung aus Heidelberg weiterarbeiten kann. Zu den jungen Leute von umwana w‘umunhu werden wir auch weiterhin Kontakt halten. FÖLT hat auch eine Geldreserve, mit der wir Hilfe leisten können, wenn die jungen Leute Schwierigkeiten haben, ins Berufsleben einzusteigen und sich finanziell auf eigene Füße zu stellen.

Wie das Fahrradprojekt in den vergangenen Jahren gearbeitet hat, erfahren Sie im untenstehenden Artikel.

„Fahrräder für Afrika“ – ein Projekt für FÖLT?

Die Frage ist insofern rein rhetorisch, als das Projekt bereits seit Anfang 2005 mit intensiver Beteiligung von FÖLT läuft. Doch was hat FÖLT mit Fahrrädern zu tun?

Tatsächlich war, als die erste Anfrage aus dem Heidelberger Agenda-Büro an uns kam, ob wir an einen derartigen Projekt beteiligen würden, die Stimmung etwas gemischt. In Heidelberg gesammelte Gebrauchträder sollten nach Afrika geschifft werden, um sie dort entsprechend Bedürftigen zukommen zu lassen. Sozial problematisch? Fern unserer Ziele? Schrottentsorgung bei uns mit dem Nebeneffekt der Verhinderung von Fertigung und Gewerbe dort?

Entsprechende Negativbeispiele gibt es zuhauf. Also waren wir natürlich von Beginn an sensibilisiert. Folgende Motive und Hintergründe haben uns dann aber an der Projektpartnerschaft teilnehmen lassen:

  1. Das Team (Agendabüro Heidelberg, VBI, VCD und wir) steht nicht im Verdacht, entwicklungspolitischen Unfug zu treiben, und ist bereit, die Reißleine zu ziehen, wenn die Sache den Zielen entgegenläuft.
  2. Wir als FÖLT haben mit Mwene Muntu in Butare einen Partner an der Hand, mit dem wir ein enges persönliches und vertrauensvolles Verhältnis pflegen. Für Mwene Muntu als durchführende, verantwortliche Einrichtung wäre solch ein Projekt hervorragend geschaffen.
  3. Die Aktion des Fahrradsammelns hier durch den VBI dient der sozialen Integration Langzeitarbeitsloser hier. „Wir hier“ haben also genauso was von dem Projekt.
  4. Es geht nicht in erster Linie darum, Alträder an Arme in Afrika zu verteilen, sondern dort dem Aufbau einer Werkstatt zu unterstützen und die Ausbildung von Jugendlichen zu ermöglichen.

Der dritte Aspekt war es, der unseren Partnern von Mwene Muntu beim ersten Gespräch im Mai 2005 (Reise von Stephan und mir), besonders gut an dem ganzen Projekt gefallen hat: Ein Projekt, bei dem es nicht nur um die Armen in Afrika, sondern eben auch sozial Benachteiligte bei uns geht.

Der vierte Aspekt schließlich ist der ausschlaggebende Punkt. Zunächst musste klar sein, dass eine Lieferung Fahrräder die sozialen Entwicklungszielen in Butare nicht konterkarieren und andere laufende oder geplante Projekte behindern. Die Stadt Butare hat sich deutlich für das Projekt ausgesprochen, vor allem für die Kernkomponente, eine Werkstatt einzurichten, in der Jugendliche – auch Straßenkinder – eine Chance für eine fachliche Ausbildung erhalten können.

Die Fahrräder aus Heidelberg stellen dazu das Übungsmaterial, vor allem aber auch das Startkapital dar. Die Kosten für das Projekt (Aufwand beim vom VBI betriebenen Radhof Bergheim, die Kosten für Container und Transport, sowie diverse Anfangskosten in Butare) wurden von der Landesstiftung Baden-Württemberg übernommen, teilweise auch vom LUBW, von FÖLT und vom Radhof.

Die Sammelaktion lief dann im Sommer 2006 an. Im Oktober konnte der Container dann auf die Reise gehen. Inhalt: Gut 220 wohlsortierte Fahrräder, viele Ersatzteile, neue Fahrradmäntel, Schläuche und jede Menge Werkzeug. Der bis auf den letzten Zentimeter ausgefüllte Seecontainer wurde übrigens gekauft und dient nun als abschließbares, diebstahlsicheres Magazin in Butare (Bild 1).

Bei der Ankunft des Containers im Dezember 2006 waren UWIMANA Angelique Dongus und Franz Merkert – ein beschlagener Techniker – in Butare zugegen, um den Aufbau der Werkstatt logistisch und vor allem auch fachlich zu unterstützten. Nachdem die ersten „kleinen Schwierigkeiten“ wie die Zollbefreiung für die Räder und der Aufbau eines Unterstandes für den Container überwunden waren, konnte die Ausbildung von Jugendlichen beginnen. Bis Februar wurden die ersten Ausbilder von Franz Merkert, einem erfahrenen Mechaniker aus Deutschland im Umgang mit der europäischen Fahrradtechnik geschult. Die meisten Räder in Ruanda stammen aus Indien und haben weder Gangschaltung noch Backenbremsen oder Beleuchtung.

Von den gespendeten Rädern wurde ein Großteil bei der feierlichen Eröffnung des Projektes am 4. Februar an bedürftige Einwohner aus Butare und umliegenden Dörfern gegeben, welche von örtlichen Sozialhelfern ausgewählt worden waren. Die übrigen Fahrräder werden weiter im Projekt gehalten und dort aufgearbeitet, vermietet oder zur Deckung der Anleiterkosten auch verkauft. Die Jugendlichen bekommen neben der technischen Schulung auch von Studenten allgemeinen Unterricht, da sie oft aus sehr armen Verhältnissen stammen und nur eine geringe Schulbildung haben.

Das Projekt in Butare wird nun von Mwene Muntu eigenverantwortlich fortgesetzt. Zuständig ist unser guter alter „Waisenhaus-Vater“ Kabagamba Celestin. Aus der Werkstatt soll im Laufe der Zeit ein sich wirtschaftlich selbst tragendes Projekt wachsen. Aller Anfang ist natürlich schwer. Bis dahin werden sicher noch viele Hürden zu überwinden sein.

Daher steht eine zweite Sendung an Fahrrädern bereits kurz bevor. Diesmal kamen beosnders viele Räder aus dem Heidelberger Umland zusammen, vor allem Sinsheim (an einem Wochenende über 700 Radspenden), aber auch Wiesloch, Nussloch, Leimen, Edingen. Die zweite Aktion ist natürlich ungleich günstiger, da wir den Container diesmal nur noch mieten müssen. Der Transport wird zudem voraussichtlich von der GTZ bezuschusst. Spenden aller Art sind sehr willkommen (VBI: Konto 9063188 Sparkasse Heidelberg BLZ 67250020).

Aimable Butera, Mwene Muntus Kassenwart, hat die Aktion bislang stets tatkräftig unterstützt. Er hat uns neulich erst wieder bestätigt, dass das Projekt sehr gut ankommt. Hoffen wir, dass es weiterhin erfolgreich bleibt. Dazu muss das Heidelberger Projektteam natürlich am Ball bleiben.