Agroforst in Madagaskar

Bauern im Osten Madagaskars erhalten Unterstützung von FÖLT und FFA

Ausgangssituation

Seit eh und je bauen die im Osten Madagaskars lebenden Betsimisaraka Bergreis, Hülsenfrüchte, Gemüse und Maniok in Brandrodung an. Mit dem ständig steigenden Bevölkerungsdruck sind inzwischen auch die letzten Regenwälder in der Region verschwunden, haben Brachezeiten sich verkürzt. Ergebnis: Die Böden verarmen, Schädlings- und Unkrautbefall nehmen zu und der Arbeitsaufwand steigt bei ständig sinkendem Ertrag. Oft reicht die eigene Reisernte den Bauern gerade noch für ein halbes Jahr; während der Mangelperiode kommt häufig nur noch Maniok auf den Tisch.
Der Anbau von Kaffee, der ehemals wichtigsten Einkommensquelle der Region, lohnt sich aufgrund des starken Preisverfalls kaum mehr. Recht soliden Ertrag verspricht noch der Ingwer, allerdings fordert er hohen Arbeitsaufwand, und das Saatgut ist zudem teuer. Die Ingwerpflanzen bieten keine durchgängige Bodendeckung, was die Erosion und damit Degradierung der steilen Hänge begünstigt. Eine weitere bedeutende Einkommensquelle stellt in abgelegenen Dörfern die Schwarzbrennerei von Zuckerrohrschnaps dar.

Immer häufiger müssen sich die Bauern als Tagelöhner verdingen, um ihren Familien wenigstens ein Minimum an Auskommen zu sichern. Die Pflege der eigenen Felder wird dann notgedrungen vernachlässigt, und der Ertrag sinkt weiter. Die Armutsfaktoren insgesamt sind Kapitalmangel, Unterernährung, häufiges Kranksein, geringe Arbeitskraft, sinkende Erträge, schlechte Austauschbeziehungen sowie fehlende Informations- und Bildungsmöglichkeiten.

Durch ökologischen Landbau ließe der Ertrag sich dauerhaft steigern, etwa durch Anbau von Mischkulturen und geschickte Fruchtfolgen, durch Einsatz von Kompost, Mulch und Mist, Pflanzung von Bäumen und Heckenstreifen sowie die Ausweitung und Verbesserung des Nassreisanbaus. Maßnahmen also, die in dichter besiedelten Regionen der Erde seit eh und je zum traditionellen Handwerkszeug der Bauern gehören – doch den Bauernfamilien in Ostmadagaskar fehlt dieses Knowhow, und ihr Handlungsspielraum für Experimente ist entsprechend gering.

Hilfe für Bauern

 

 

 

Mit einem eigenen Projekt bietet der madagassische FÖLT-Partnerverein FFA den Bauernfamilien nun Unterstützung. Folgende Maßnahmen sollen den Menschen die neuen Anbaumethoden nahebringen:

  • Einführung in die ökologische Anbauweise anhand von Informations- und Demonstrationsveranstaltungen, Schulungen und Feldbesuchen
  • Subventionierung der Arbeiten, die im Rahmen nachhaltiger Nutzung zusätzlich anfallen – durch Food for Work
  • zinsfreie Saatgutkredite, die nach der Ernte an einen Gemeinschaftsfonds zurückgezahlt werden
  • Bereitstellung landwirtschaftlicher Arbeitsgeräte für die verbesserten Techniken und zur Anlage neuer Reisfelder

Das Angebot richtet sich an alle Bauernfamilien im unterstützten Gebiet. Einzige Voraussetzung: Jeweils fünf bis zehn Familien sollen sich zusammenschließen und die subventionierten Arbeiten gemeinsam durchführen. Das Was und Wie bei der Umsetzung bleibt ganz den Bauern überlassen.
So schulen sie nebenbei auch ihre Organisationsfähigkeit, um zukünftige Gemeinschaftsvorräte zu verwalten und die vorhandenen Mittel und Ressourcen sinnvoll einzusetzen. In gemeinsamen Mahlzeiten sollen die Bauernfamilien sich außerdem mit verschiedenen ernährungsphysiologisch sinnvollen Nahrungsmittelkombinationen vertraut machen.

Bisher arbeitet der FFA in zwei Projektgebieten, die durchaus repräsentativ sind und damit eine gute Grundlage für eine spätere Ausweitung der hier getesteten Ansätze liefern:

Das entlegene Dorfgebiet von Betanimainty: Lage auf 1.000 bis 1.200 m Höhe, beträchtlicher Waldanteil, 90 Haushalte

Der Bezirk Ambinanisahavolo: Lage auf 300 bis 700 m Höhe, hauptsächlich Buschbrachen auf verarmten Böden, vier Dörfer mit insgesamt 1.200 Einwohnern

Die Food-for-Work-Komponente sowie die laufenden Personalkosten des Projekts werden bis Dezember 2006 vom Sozialfonds der Französischen Botschaft in Antananarivo finanziert. Für die Bereitstellung der Saatgutkredite und der Arbeitsgeräte ist der Verein jedoch auf Spenden angewiesen.

Eine Schule für Betanimainty

Die nächste staatliche Grundschule liegt von Betanimainty etwa zweieinhalb Stunden Fußmarsch entfernt; dementsprechend wenige Kinder aus dem Dorf sind bisher dort anzutreffen. Um ihrem Nachwuchs wenigstens ein Minimum an Bildung zu verschaffen, kamen die Eltern des Dorfes Mitte letzten Jahres überein, aus eigener Tasche eine Lehrerin anzustellen, die in Betanimainty direkt unterrichtet. Allerdings verfügt sie über keinerlei pädagogische Ausbildung. Auch ist der geplante gemeinschaftliche Bau eines Schulhauses

bisher nur bis zu den Grundpfeilern gediehen: Vom fehlenden Geld für das Blechdach einmal abgesehen, ist unentgeltliche Zusatzarbeit einfach der pure Luxus, wenn zu Hause eine hungrige Familie wartet. So findet der Unterricht für die insgesamt 67 Kinder nach wie vor im kleinen Gemeinschaftshaus des Dorfes ohne Schulbänke statt.

FFA möchte den Dorfbewohnern nun helfen, das begonnene Schulgebäude fertigzustellen und eine qualifizierte Lehrkraft zu engagieren. Spenden hierzu werden dringend gebraucht.

Der FFA stellt sich vor

FFA steht für “Fanatsarana ny Fari-piainana eny Ambanivohitra”, was so viel heißt wie “Verbesserung des ländlichen Lebensstandards”. Der Verein wurde im Juli 2004 von Wissenschaftlern gegründet, die bäuerliches Wirtschaften und Einsatz natürlicher Ressourcen im Osten Madagaskars untersucht hatten. FFA möchte der ländlichen Armut abhelfen und führt dazu Projekte und Studien zu folgenden Themen durch:

  • Erschließung und Verbesserung von Einkommensquellen
  • Stärkung des Humankapitals (Direkthilfe und Schulungen zu Ernährung, Gesundheit, Organisation usw.)
  • Förderung des ökologischen Landbaus
  • nachhaltige Nutzung erneuerbarer Ressourcen
  • Förderung des Ausgleichs zwischen verschiedenen Interessensgruppen (gerechter Handel)

Dabei setzt FFA auf offenen Austausch mit den Bauernfamilien, um ihr Praxis-Knowhow mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Erfahrungen aus anderen Regionen oder Ländern (Süd-Süd-Austausch) zu verknüpfen. Immer geht es dabei um Lösungen, die den tatsächlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Ärmsten gerecht werden und mit minimalen Voraussetzungen auskommen. FFA steht hierzu auch in Kontakt mit der Landwirtschaftlichen Hochschule der Universität Antananarivo und ICRAF – The World Agroforestry Centre – sowie anderen madagassischen NROs. Die beiden gemeinnützigen Vereine FÖLT und Invest4charity unterstützen den Verein außerdem inhaltlich und durch Weiterleitung von Spendengeldern.

Wünschen Sie weitere Informationen? Haben Sie Fragen oder Anregungen zu unserem Tun? Dann schreiben Sie an:

Dr. Jutta Nambena nambena@wanadoo.mg oder ffamada@yahoo.fr .

Möchten Sie spenden ?

Stichwort: “FFA Madagaskar” oder “Dorfschule Madagaskar”

Misaotra betsaka – herzlichen Dank für Ihr Interesse!