Reise nach Rwanda vom 1.3.2002 – 17.3.2002

Von Cosima Erben und Stephan Pucher

Rwanda präsentierte sich dieses Jahr zu Beginn der großen Regenzeit grün und frisch. Mit dem Rot der Erde boten sich uns bei der Arbeit immer wieder wunderschöne Einblicke in das Land der Tausend Hügel.

Wir wurden herzlich empfangen und uns erwartete ein bestens organisierter Arbeitsaufenthalt.

Die diesjährige Reise hatte vier Arbeitsschwerpunkte:

  1. Das Ziegenkreditprogramm aus den Jahren 2000 und 2001.
  2. Das geplante Holzförderungsprogramm für das Jahr 2003.
  3. Ein Klimaschutzprojekt in Kooperation mit der Stadt Heidelberg und dem Distrikt Gikonko.
  4. Die Fortführung des Waisenprogramms "Félicité Marie".

 

Das Ziegenkreditprogramm aus den Jahren 2000 und 2001.

Für das Jahr 2000 hatten wir gemeinsam mit der Gemeinde Mugusa (heute Gikonko) ein Projekt beschlossen, das einerseits den Wunsch derBäuerinnen und Bauern nach Ziegen erfüllen, andererseits gleichzeitig die Methoden des PIASP fördern sollte.

Daraus ergab sich das Ziegenkreditprogramm, durch das ca. 400 Familien nach sozialer Indikation jeweils zwei Ziegen erhielten. Voraussetzung für die Förderung ist der (von der Gemeinde unterstützte) Bau eines Ziegenstalls sowie die Anpflanzung von Hecken als Futterpflanzen und Erosionsschutz. Die ersten beiden Jungen der Ziegen müssen als Rückzahlung des Kredits an einen anderen Bauern des Hügels weitergegben werden.

Die ersten beiden Tage unseres Aufenthalts in Gikonko besuchten wir zahlreiche Familien in verschiedenen Secteurs (Ortsteilen), die den Kredit bekommen hatten. Begleitet wurden wir von Emmanuel, dem Vizebürgermeister, sowie dem Gemeindeagronom, dem Tierarzt und den Verantwortlichen für die Secteurs. Mit ihrer Hilfe konnten wir uns mit den Bäuerinnen und Bauern über die Erfolge und Probleme des Programms unterhalten.

In fast jedem Hof wurde das Projekt vielversprechend umgesetzt, ein Stall gebaut und Leucaenahecken gesät, die inzwischen in der Regel gut angewachsen waren. Probleme gab es mit der Gesundheit der Tiere, da diese aus z.T. aus anderen Klimagebieten stammten und Ziegen diesen Wechsel nicht gut vertragen. Bis zu 20% der Tiere sind in den Hügelgemeinschaften gestorben. Dieser Verlust konnte jedoch z.T. durch ein solidarisches System aufgefangen werden.

Zur Zeit unserer Reise begannen bereits die ersten Kreditrückzahlungen. Auch in der zweiten Gruppe soll der Stallbau wieder durch die Bereitstellung kostenloser Nägel und Leucaenasaatgut gefördert werden.

Das geplante Holzförderungsprogramm für das Jahr 2003.

Für das Jahr 2003 wollen wir zu den jährlichen Fördermitteln der Stadt Heidelberg zusätzlich Mittel beim Bundesministerium für Zusammenarbeit (BMZ) über das BENGO-Programm beantragen. Wie beim Ziegenkreditprogramm hätten wir dann wieder die Möglichkeit, ein wenig intensiver das Ecofarming in Gikonko zu unterstützen.

Im Mittelpunkt der Planung stehen dieses Mal die Pflanzung von Bäumen und die Förderung des Holzmarktes. Neue Baumschulen und ein intensives Öffentlichkeitsprogramm zur Pflanzung von Bäumen sollen den Baumbestand in der Gemeinde deutlich vergrößern. Die Aktionen stehen unter dem Motto: Für jeden gefällten Baum werden zwei neue gepflanzt.

Der Aufbau des Holzmarktes soll darüber hinaus Anreize für die Pflanzung bieten. Wenn ein Bauer mehr Geld für seine Bäume bekommt, wird er auch eher aus eigenem Antrieb neue pflanzen. Im Distrikt Gikonko bietet sich die Imkerei zu diesem Zwecke an, da in dieser Region traditionell viel Honig produziert wird. Der Ersatz der landesüblichen Bienenkörbe durch leistungsfähigere, hölzerne Bienenkästen fördert gleichzeitig die Schreinerei und verschafft ihr einen neuen Absatzmarkt. Da die Imker die neuen Kästen nicht gleich bezahlen können, sollen diese nachträglich mit Honig aus der erhöhten Produktion finanziert werden.

Auf unseren Besuchen bei den Imkern konnten wir uns von den Vorteilen, aber auch von den Risiken (Termitenbefall) der neuen Imkerei ein Bild machen.

Ein Klimaschutzprojekt in Kooperation mit der Stadt Heidelberg und dem Distrikt Gikonko.

Im Dezember 2001 war Justin Semanyenzi, der Bürgermeister vom Distrikt Gikonko, zu Besuch bei uns in Heidelberg. Auf der Heidelberger Konferenz zu Städteprojektpartnerschaften zum Thema Klimaschutz stellte er das Ecofarming-Projekt PIASP mit Erfolg vor und erntete viel Anerkennung.

Bei dieser Gelegenheit wurde zusammen mit dem Heidelberger Umweltbürgermeister Dr. Eckhart Würzner vereinbart, ein Klimaschutzprojekt mit dem Schwerpunkt Energie aus der Taufe zu heben.

Dieses Vorhaben nahm auf unserer Reise Gestalt an: In Butare besuchten wir zusammen mit Justin Semanyenzi die staatliche Forschungsanstalt IRST. Dies gab uns einen Überblick über die zur Zeit in Rwanda diskutierten Klimaschutzaktivitäten. Attraktiv erschien uns ein Konzept, bei dem die neu gegründeten Dorfzentren (Umudugudus) eine Energiezentrale erhalten. Mittels Fotovoltaik sollen hier Ladestationen eingerichtet werden, an denen man sich gegen ein monatliches Entgelt z.B. Lampen aufladen kann. Der Betreiber verdient darüber sein Geld und kann die Station ausbauen, ggf später ein TV-Kino eröffnen oder dergleichen.

Die Fortführung des Waisenprogramms "Félicité Marie".

Seit dem Jahr 2000 läuft das Projekt Félicité Marie nicht mehr als Waisenhaus, sondern als Ausbildungsfonds für die ehemaligen "Familienmitglieder". Der Kontakt lief nun vorwiegend über die in Rwanda lebenden FÖLT-Mitglieder Uwe und Josée Korus. Da Josée und Uwe Anfang 2002 nach Uganda umsiedelten, galt es, bei unserer Reise zu einer neuen funktionierenden Kommunikation zu finden.

Nach längerer Vorbereitung in Rwanda bereits vor unserer Reise konnten wir während unseres Besuches der Gründungsveranstaltung des Vereins Mwene Muntu beiwohnen. Mwene Muntu (Der humane Mensch) hat pazifistische und humanistische Ziele und kümmert sich um Friedenserziehung im Land Rwanda. Als erstes Projekt wird Mwene Muntu "Félicité Marie" betreuen und weiterführen. Nach und nach sollen weitere Projekte hinzukommen. Durch die neue Vereinsstruktur ist Mwene Muntu nicht mehr ausschließlich auf die Partnerschaft zu FÖLT angewiesen.

Der erste Vorstand Mwene Muntus:
President: KAMBANDA Déo
1. Vicepresident: KABAGAMBA P. Célestin
2. Vicepresident: MURERAMANZI

Der "conseil exécutif":
Secrétaire exécutif: KAJUGA
Secrétaire exécutif adjoint: ISAIE
Trésorier: BUTERA Aimable

Im Projekt "Félicité Marie" werden zur Zeit 44 Jugendliche in der école sécondaire (fortführende Schule), 8 Kinder in der école primaire (Grundschule) und weitere 16 Jugendliche in Ausbildung betreut. Die Betreuung umfasst schulische, soziale und psychische Probleme. Zur Zeit gibt es fünf Problemfälle, um die man sich intensiv kümmert.

Zum ersten Mal haben wir auf unserer Reise einen Zeithorizont für dieses Projekt festgelegt. Die Kinder und Jugendlichen, die jetzt betreut werden, sollen ihre Ausbildung noch abschließen können. Im Jahr 2008 sollen dann alle jungen Erwachsenen auf eigenen Beinen stehen können. Wir hoffen, dass möglichst viele von ihnen sich im Verein Mwene Muntu engagieren und etwas von dem weitergeben können, was sie an Positivem in der Familie "Félicité Marie" erfahren haben.

Die Reise hat uns Spaß gemacht und die vielen Gespräche und Diskussionen haben uns optimistisch für die Zukunft der FÖLT-Projekte gestimmt (vielleicht auch ein wenig mehr für Rwanda).

Stephan und Cosima